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Staatsballett: Erneuter Streik

Staatsballett: Erneuter Streik

17.09.2015 - Die Gewerkschaft ver.di hatte die mehr als 70 Tänzerinnen und Tänzer des Berliner Staatsballetts gestern, Dienstag, 16. September 2015, ab 17 Uhr zu einem erneuten Warnstreik aufgerufen. Es fand eine mehrstündige Streikversammlung statt, in der die ver.di-Mitglieder – die Tänzerinnen und Tänzer gehören ganz überwiegend der Gewerkschaft ver.di an – ihren Unmut über das Vorgehen ihres Arbeitgebers in dem seit nunmehr einem Jahr andauernden Konflikt um einen Haustarifvertrag Luft machten. Die Tänzerinnen und Tänzer fühlen sich von ihrem Arbeitgeber in ihrem freien Willen ignoriert und werfen den Künstlergewerkschaften GDBA und VdO vor, sich in einen laufenden Tarifkonflikt zu drängen.
Die Tänzerinnen und Tänzer waren ebenfalls für gestern 17 Uhr, in ihrer Dienstzeit und in den Räumen der Deutschen Oper, zu einem Treffen mit den Künstlergewerkschaften GDBA und VdO eingeladen und von ihrem Arbeitgeber aufgefordert, sich dort „kooperativ“ zu zeigen. Die beiden Spartengewerkschaften erklären sich tariflich für die Tänzerinnen und Tänzer zuständig, obwohl sie dort so gut wie kein Mitglied haben und von den Beschäftigten nie zu Aktivitäten aufgefordert wurden. Dennoch haben sie mit der Geschäftsführung des Staatsballetts Berlin und dem Deutschen Bühnenverein ein „Eckpunktepapier“ für einen Haustarifvertrag verabredet. Dieser Vertrag soll den Betroffenen jetzt offeriert werden. Er nimmt Punkte auf, die die Tänzerinnen und Tänzer mit ihrer Gewerkschaft ver.di als Tarifforderungen formuliert und dem Arbeitgeber bereits im vergangenen Herbst vorgelegt hatten. Staatsballett-Geschäftsführer Georg Vierthaler lehnte bisher jegliches Gespräch mit
ver.di als Tarifpartner ab. Auch dass durch ver.di-Warnstreiks in der vergangenen Spielzeit acht Ballettvorstellungen ausfielen, hat an dieser Blockadehaltung nichts geändert.
„Die freiheitlich-demokratische Grundordnung scheint im Staatsballett Berlin nicht zu gelten“, kritisiert ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter Andreas Köhn. Die Geschäftsführung führe die grundgesetzlich garantierte Koalitionsfreiheit ad absurdum, „wenn der Arbeitgeber bestimmt, mit welcher Gewerkschaft seine Beschäftigten reden dürfen und mit wem sie Tarifverträge schließen sollen“.