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Staatsballett: Zuspitzung im Tarifkonflikt

Staatsballett: Zuspitzung im Tarifkonflikt

27.08.2015 - Im Tarifkonflikt beim Staatsballett droht jetzt eine weitere Eskalation. ver.di fordert seit über einem Jahr einen eigenständigen Tarifvertrag für die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts. Diese Forderung wurde von den Künstlern mit insgesamt acht Streiks bekräftigt. Der Arbeitgeber, die Stiftung Oper, versucht jedoch offenbar alles, um einen Tarifvertrag mit ver.di zu verhindern. Er strebt jetzt offenbar einen Tarifvertrag mit den Bühnen-Spartengewerkschaften GDBA und VdO an, die jedoch so gut wie keine Mitglieder im Ensemble haben. „Dass eine Gewerkschaft ohne Mitglieder offenbar mit Billigung des Arbeitgebers Tarifverhandlungen aufnimmt, sehen wir als beispiellosen Angriff auf die Koalitionsfreiheit und als Affront gegen ver.di und die Beschäftigten“, erklärt Andreas Köhn, ver.di-Landesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie in Berlin-Brandenburg. Mit solchen Aktionen spitze die Direktion Opernstiftung den langandauernden Tarifkonflikt mit ver.di mutwillig weiter zu.

Die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts wurden gestern mit persönlichen Briefen über die „Hauspost“ der Opernstiftung von den Bühnen-Spartengewerkschaften GDBA und VdO zu einem Meeting am 11. September eingeladen. Dort soll über ein Sondierungsgespräch mit den Arbeitgebern sowie ein Eckpunktepapier zur Aufnahme von Tarifverhandlungen informiert werden. Die Spartengewerkschaften erklären sich in dem Einladungsschreiben als „zuständige Tarifparteien“. GDBA/VdO haben nach eigenen Angaben im Ensemble ein einziges Mitglied, während 90 Prozent der Tänzerinnen und Tänzer bei ver.di organisiert sind.

ver.di war stets verhandlungsbereit. Im Juni 2015 wurde Georg Vierthaler, dem Generaldirektor der Stiftung Oper, zudem ein Schlichtungsverfahren für diese Tarifverhandlungen angeboten, das dieser aber abgelehnt hat. Die Arbeitgeberseite stellte den Tänzerinnen und Tänzern dagegen schon mehrfach in Aussicht, ihre mit ver.di aufgestellten Tarifforderungen als Vereinbarung zwischen dem Deutschen Bühnenverein, der Stiftung Oper und der Spartengewerkschaft GDBA/VdO zu gewähren. „Dass den ver.di-Mitgliedern im Staatsballett jetzt quasi nahegelegt wird, die Gewerkschaft zu wechseln, um einen angemessenen Tarifvertrag zu erhalten, ist ein schwerwiegender Eingriff, den ver.di nicht hinnehmen wird“, so Andreas Köhn.

ver.di forderte Vierthaler auf, umgehend an den Verhandlungstisch zu kommen und eine Tarifvereinbarung mit der Gewerkschaft ver.di zu treffen, in der die Balletttänzerinnen und -tänzer Mitglied sind.