Aktuelles

Kino Colosseum: Brauner Erben haben für die Kinomitarbeiter keinen …

Kino Colosseum: Brauner Erben haben für die Kinomitarbeiter keinen Cent Abfindung übrig

Der Betriebsrat des Kino Colosseum ist gegen die Brauner Erben vor das Arbeitsgericht Berlin gezogen. Er sieht einen Betriebsübergang. Die Brauner Erben sind danach die Arbeitgeber:innen der Kinomitarbeiter:innen. Am 26.02.2021 fand nun der Gütetermin statt. Wir sprachen mit dem Anwalt des Betriebsrats Rechtsanwalt Martin Bechert:

Es scheint etwas ruhiger geworden zu sein um das Kino Colosseum. Wie ist der Stand Der Dinge?

Nachdem Sammy Brauner für seine Kinogesellschaft bereits im Frühjahr 2020 Insolvenz angemeldet hat, fanden Verhandlungen mit dem Betriebsrat des Kinos statt. Die Gespräche wurden aus meiner Sicht weder von Seiten der Erben des Artur Brauner noch durch den Insolvenzverwalter ernsthaft geführt. Ich meine, dass von Anfang an geplant worden ist, dass die Mitarbeiter:innen leer ausgehen!

Nunmehr sind die Kündigungen ausgesprochen. Ein Großteil der Mitarbeiter:innen klagt deshalb vor dem Arbeitsgericht Berlin gegen den Insolvenzverwalter und die Erbengemeinschaft.

Wie hoch ist die Abfindung, die den Kinomitarbeitern jetzt zusteht?

Die Kolleg:innen werden – Stand heute - keinen einzigen Cent bekommen. Und nicht nur das! Schon während des laufenden Insolvenzverfahrens wurden ihre Gehälter nicht mehr gezahlt. Ein großer Teil der Kolleg:innen war daher zur Existenzsicherung auf Hartz IV angewiesen. 

In einem Spiegel Artikel vom 11.09.2020 wird Sammy Brauner zitiert, dass er bereit gewesen wäre alle Betriebsmittel im Wert von knapp 230.000 EUR den Mitarbeiter:innen als Abfindung zu zahlen. Das habe der Betriebsrat aber mehrfach abgelehnt. Warum hat der Betriebsrat das Angebot nicht angenommen?

Wenn Sammy Brauner das gegenüber dem Spiegel tatsächlich so gesagt hat, dann hat er dreist gelogen. Dem Betriebsrat gegenüber wurde ein solches Angebot niemals unterbreitet. Der Betriebsrat hätte ein solches Angebot auch bestimmt nicht abgelehnt! Es wird damit anscheinend versucht, den Betriebsrat und die Kolleg:innen als raffgierig hinzustellen. Die Skrupellosigkeit, mit der von Seiten der Erben des Artur Brauner gegen die Kolleg:innen vorgegangen wird, zeigt sich nach meiner Auffassung auch darin, dass deren Anwalt vor dem Arbeitsgericht Berlin entsprechend behauptet hat, dem Betriebsrat wäre ein Angebot für einen Sozialplan mit einer Dotierung von 230.000,00 EUR unterbreitet worden.

Richtig ist: Es wurde von Seiten der Erben des Artur Brauner während der gesamten Verhandlungen dem Betriebsrat kein einziges beziffertes Angebot unterbreitet; und zwar auch nicht von Sammy Brauner. 

Aber Sammy Brauner hatte doch öffentlich Gesprächsbereitschaft signalisiert? Was ist daraus geworden? 

Es war schon mühsam überhaupt den richtigen Ansprechpartner zu finden. Letztlich telefonierte ich mit einem der Anwälte der Brauner Erben. Es wurden aber zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Geldmittel zur Verfügung gestellt, so dass eine Einigung nicht zu Stande kam. Ich denke, es ging bei dem angeblichen Verhandlungsangebot nur darum, in der Öffentlichkeit gut dazustehen.

Wie kann es sein, dass den gekündigten Kinomitarbeiter:innen keine Abfindung gezahlt werden muss?

Das ist eine gute Frage. Die Erben des Artur Brauner sind Millionen schwer und die Mitarbeiter:innen verlieren ihren Job und gehen leer aus. Da fasst sich doch jeder an den Kopf. Meines Erachtens nach müsste hier das Insolvenzrecht dringend verändert werden. Es kann nicht sein, dass sich schwerreiche Arbeitgeber:innen ihrer sozialen Verantwortung dadurch entledigen, dass sie für einzelne Gesellschaften einfach Insolvenz anmelden. 

Man muss ich hier eins klarmachen: Anstatt Gehalt durch die Kinogesellschaft wurde den Kolleg:innen mit Hartz IV eine staatliche Sozialleistung gezahlt. Im Klartext heißt das für mich: Der Staat zahlt, damit die Brauners ihr Vermögen beisammenhalten können. 

Wenn die Brauner Erben den Kolleg:innen, die jahrzehntelang in dem Kino gearbeitet haben, keine Abfindungen zahlen, ist das schon schlimm. Wenn man aber als zigfacher Millionär zusieht, wie diese Mitarbeiter:innen Hartz IV beziehen, ist das schlicht herzlos. Ein solches Verhalten wird meiner Meinung nach auch dem Andenken des Artur Brauner nicht gerecht. Der Mann war im alten West- Berlin eine deutsche Filmlegende.

Wie geht es nun weiter? 

Das Arbeitsgericht Berlin wird nunmehr in mehreren Verfahren zu entscheiden haben, ob ein Betriebsübergang von der Betriebsgesellschaft auf die Erben des Artur Brauner stattgefunden hat. In dem Gerichtstermin am 26.02.2021 war keine Vergleichsbereitschaft der Erben zu erkennen. Finanzielle Mittel wurden wieder einmal nicht zur Verfügung gestellt. Stattdessen sinnierte der Anwalt der Brauner Erben darüber, ob es für seine Mandantschaft nicht besser gewesen wäre, das Kino Colosseum abzufackeln. Ich will gleichwohl die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Erben des Artur Brauner sich doch noch einmal konstruktiv und ernsthaft mit dem Betriebsrat und den gekündigten Mitarbeiter:innen über eine gütliche Einigung unterhalten. Ich kann nur für die Arbeitnehmerseite sprechen. Der Betriebsrat und alle Mitarbeiter:innen, die ich kenne, waren immer an einer solchen Einigung interessiert.

ver.di hat eine Pressemitteilung zu diesem Thema rausgegeben
Link zur Pressemitteilung

Link zum Artikel "Das sind die Umbaupläne für das Kino Colosseum" im Tagesspiegel

Link zum Artikel "Erben versilbern Artur Brauners Schmuckkästchen" auf Spiegel Online vom 11.09.2020  

Die Beschäftigten bloggen zu ihrer Situation: 
https://rettetdascolosseum.de/blog/