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Bibliothek in Burg soll geschlossen werden

Bibliothek in Burg soll geschlossen werden

Offener Brief
An den Amtsdirektor im Amt Burg (Spreewald)


23.10.2020

Sehr geehrter Herr Amtsdirektor Hentschel,

mit Unverständnis hören wir von dem Vorhaben, die Bibliothek in Burg im Spreewald zu schließen. Sicher ist Ihnen bekannt, dass in Deutschland 6,2 Millionen Menschen nur unzureichend lesen und schreiben können und noch einmal so viele große Probleme mit der Rechtschreibung haben. Bibliotheken sind eine Möglichkeit, die Lese- und Schreibkompetenz zu verbessern. Sie bieten einen niedrigschwelligen Zugang zur Kultur und sind außerdem Orte der Begegnung und der Bildung.

Es ist völlig unverständlich, dass in Zeiten, in denen landauf landab über die zu geringe Bildung vor allem der jüngeren Generation geklagt wird, ein Amt auf die Idee kommt, seine letzte Bibliothek zu schließen. Denn »Nirgends kann man den Grad der Kultur einer Stadt und überhaupt den Geist ihres herrschenden Geschmacks schneller und doch zugleich richtiger kennen lernen, als – in den Lesebibliotheken«, schrieb Heinrich von Kleist einst an seine Verlobte.
Wie wichtig das Lesen ist, dazu gibt es eine ganze Reihe von Untersuchungen der Stiftung Lesen. Sie sind online leicht zugänglich.

Natürlich haben wir als Schriftsteller ein ganz besonderes Interesse an Bibliotheken, denn was wären wir ohne Leser?
Aber wir wissen auch sehr genau, was aus einer Gesellschaft wird, in der Bücher missachtet werden, in der Bildung und Lesen eine zu geringe Rolle spielen, in der die Bürger die Verbindung zur eigenen Geschichte verlieren: eine kulturlose Gesellschaft.

Kulturlos auch im Umgang der Menschen miteinander. Das können Sie doch für Burg und für den Spreewald mit einer so reichen Tradition, auch einer reichen Erzähltradition, nicht wollen!
Und da ich schon beim Thema Tradition bin: Die Bibliothek in Burg trägt den Namen Mina Witkojc und erinnert damit an eine sorbische Schriftstellerin, die 1933 mit Schreibverbot belegt wurde. Mit der Bibliothek verschwände auch der Name. Wie soll das ausgeglichen werden?

Wir hoffen sehr, dass das Amt Burg und Sie als Person alles daran setzen, die Bibliothek nicht nur zu erhalten sondern sie personell und finanziell so auszustatten, dass sowohl die Einwohner des Amtes Burg als auch die vielen Gäste des Spreewalds die Bibliothek gerne und häufig besuchen.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Carmen Winter
Vorsitzende des VS
Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der ver.di,
Landesverband Brandenburg