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Ernüchternde Tarifsondierung

AFP Agence France-Presse GmbH

Ernüchternde Tarifsondierung

Gemeinsames Tarifinfo von dju in ver.di und DJV

26.02.2021 - Auf Einladung von dju in ver.di und DJV hat am 25.02. ein erstes Sondierungsgespräch zur Gehaltstarifrunde 2021 zwischen der Geschäftsführung und der Tarifkommission stattgefunden. Erklärtes Ziel dieser Sondierungsgespräche sollte ein Austausch über die jeweiligen Vorstellungen für die anstehende Gehaltstarifrunde sein.

Vor diesem Hintergrund hat die Tarifkommission als Diskussionsgrundlage dem Arbeitgeber eine erste Forderungs-Hausnummer einer linearen Erhöhung in Höhe von 3,5% genannt. Der sich anschließende Verlauf des fast dreistündigen Videocalls sowie das Ergebnis offenbarten indes ein völlig unterschiedliches Verständnis des Arbeitgebers von der aktuellen Situation, der Erwartungshaltung der Beschäftigten und dem Begriff der "Wertschätzung in Krisenzeiten erbrachter Leistung".

Trotz eines positiven Jahresabschlusses und in dem Bewusstsein, dass dieses Ergebnis von den Kolleginnen und Kollegen im zurückliegenden Jahr unter teils schwersten Bedingungen erreicht wurde, verweigert sich die Geschäftsführung jedweder Form einer linearen Gehaltsanpassung.

Hieran ändere - so die Geschäftsführung - auch die für dieses Jahr prognostizierte Inflationsrate von 1,4 % nichts, was de facto einen entsprechenden Reallohnverlust zur Folge haben würde. Einziges Angebot in der Sondierung blieb, das bisher von der Geschäftsführung für die Entschädigung der Mehrbelastung für das mobile Arbeiten eingeplante Geld dort einzusparen und in die Tarifverhandlungen zu überführen. Konkret wurde dabei eine Einmalzahlung über 250 € angeboten. Dieser Betrag entspricht der vom Weltdienst empfohlenen Entschädigung allein für das mobile Arbeiten. Die Geschäftsführung spielt mit dem Angebot also zwei Verhandlungen gegeneinander aus: Wenn wir die Einmalzahlung so akzeptieren, steht in den vom Betriebsrat parallel und gesondert geführten Gesprächen über zukünftiges mobiles Arbeiten kein Geld mehr zur Verfügung. Wenn das Geld für die Gespräche mit dem Betriebsrat aufbewahrt bliebe, steht laut Arbeitgeber kein Geld für einen Tarifabschluss zur Verfügung.

Angesichts der schwierigen Verhandlungen der zurückliegenden Jahre und der kompromisslosen Positionierung des Arbeitgebers sieht die Tarifkommission die Notwendigkeit, Euch am 4.März im Rahmen der Betriebsversammlung umfassend zu informieren.
Wir wollen dann gemeinsam die Situation bewerten und die bestehenden Optionen diskutieren.
Es ist die Entscheidung zu treffen, ob wir mit dem "Angebot" des Arbeitgebers zufrieden sind. Nach vorläufiger Empfehlung der Tarifkommission können wir das Vorgehen der Geschäftsführung trotz der Argumentation mit einer Wirtschaftskrise nicht akzeptieren. Um einen Tarifabschluss mit einer linearen Gehaltserhöhung zu erzielen, bräuchten wir aber einen starken Rückhalt von Euch als Belegschaft. Das würde insbesondere die Bereitschaft beinhalten, in laufenden Tarifverhandlungen auch die Arbeit stundenweise niederzulegen.