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Freie im rbb demonstrieren: "Ohne uns wird's langweilig"

Freie im rbb demonstrieren: "Ohne uns wird's langweilig"

Am Tag der Arbeit demonstrierten mehr als 300 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Berliner Masurenallee vor dem Sendezentrum des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Denn sie wollen ihre Arbeit behalten, sie wollen Bestandsschutz, faire Honorare und Respekt für ihren qualifizierten Beitrag zum Programm der Zwei-Länder-Anstalt, die mal wieder den Rotstift ansetzt. Ganze Sendeformate sollen wegfallen, 75 Freien der Sendung „ZiBB“ wurde bereits das Ende ihrer Mitarbeit angekündigt.

Von Susanne Stracke-Neumann

rbb Freien-Protest 1. Mai 2021 Ulli Winkler rbb Freien-Protest 1. Mai 2021


"Was schauen Sie denn so … wenn wir nicht da sind?" Diese Frage schwebte auf einem Protestplakat über der bunten Menge am Vormittag des 1. Mai gegenüber der Berliner Messe wie die Parole "Ohne Freie kein Programm", die nicht nur Thomas Klatt, freier Autor, aktiv im ver.di-Senderverband und Moderator der Demo, immer wieder skandierte. Über 450 Freie haben sich bereits für die Aktion "Frei im Mai" (#wirsindnichtda) angemeldet: Sie werden ihre Arbeitskraft in den ersten Maitagen zurückhalten, um zu zeigen, wie wichtig die insgesamt 1500 Freien für das Programm des rbb sind.

rbb Freien-Protest 1. Mai 2021 Ulli Winkler rbb Freien-Protest 1. Mai 2021


„Wir sollten mal Abstand halten, und zwar nicht nur bei dieser Demo, sondern auch zum Arbeitgeber“, wird gefordert. Denn: „Ohne uns wird’s langweilig“, warnt ein Plakat, und das vor einem Sender, der sein Motto „Bloß nicht langweilen“ direkt über der Eingangstür präsentiert.

Nicht auf dem Rücken der Freien

Sparzwang, Programmumbau, Arbeitsverdichtung auf Kosten der Qualität, auch durch neue Ausspielkanäle, all das werde auf den Rücken der freien Mitarbeiter*innen in Technik und Redaktionen ausgetragen, fürchten die Freien. Das ist sowohl im Publikum zu hören, wie auch von den Freiensprecher*innen von „ZiBB“, „Abendschau“, „Brandenburg aktuell“, Inforadio oder Kulturradio, auf dem zur Bühne umgewandelten Laster von ver.di.

rbb Freien-Protest 1. Mai 2021 Ulli Winkler rbb Freien-Protest 1. Mai 2021

Die Freien, die ihre Flexibilität und Kompetenz über viele Jahre immer bewiesen haben, die das Programm des rbb neben den besser bezahlten Festangestellten mit Engagement und Qualifikation mitgestaltet haben, fühlen sich jetzt ausgemustert. Sie sehen sich respektlos an den Rand gedrängt und haben wenig Vertrauen in die tröstenden Worte von Sendeleitungen und Intendanz, dass für sie neue Aufgaben gefunden würden. Sie wollen eine echte Perspektive und auch im rbb endlich die Forderung „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ umgesetzt sehen.

dju-Bundesgeschäftsführerin Monique Hofmann Ulli Winkler dju-Bundesgeschäftsführerin Monique Hofmann

„Wir sind heute hier, weil es nicht egal ist, wie mit den Freien umgegangen wird“, erklärte Monique Hofmann, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union dju in ver.di, vor den Demonstrant*innen. Dieses Zeichen der Solidarität und Stärke solle den rbb daran erinnern, seiner Verpflichtung als sozialer Arbeitgeber gerecht zu werden. Von den Bundesländern Berlin und Brandenburg forderte sie, den Staatsvertrag endlich zu erneuern und die Vertretung der Freien im Personalrat des Senders damit endlich angemessen zu ermöglichen.

Den SWR bezeichnete Steffen Grimberg, Berliner Landesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbands (DJV), als Vorbild für den Bestandsschutz für Freie und ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten. Der propagierte Aufbruch des rbb dürfe nicht zum Abbruch werden. Wenn der Job für Freie unattraktiv werde, gehe es dem Publikum beim Programm schnell ähnlich. Die öffentlich-rechtlichen Sender befänden sich immer häufiger in Konkurrenz zu anderen, neuen Medienunternehmen und seien „nicht mehr das Maß aller Dinge“.

rbb Freien-Protest 1. Mai 2021 Ulli Winkler rbb Freien-Protest 1. Mai 2021


Die Zuschauer*innen und Hörer*innen müssten erfahren, „dass es beim rbb klemmt und brennt“, forderte ver.di-Landesbezirksleiter Frank Wolf. „Wir sind die Gesichter für die Zuschauer, aber wir arbeiten zweiter Klasse“, empörte sich Stephanie Hajdamowicz, freie Journalistin beim WDR und engagiert im ARD-Freienrat, der gerade online tagte und bundesweit 18.000 Freie vertritt. „Wir sind von jetzt auf gleich weg“, wenn Sparrunden eingeläutet werden, so ihre Erfahrung. Deshalb sei das Ziel Bestandsschutz und Rücknahme der Kündigungen: „Wir kämpfen für eure Rechte“, versprach sie den Berliner und Brandenburger Kolleg*innen im Namen des ARD-Freienrats. Und für einen rbb als „starke Stimme“ (Hofmann) und ein „Gutes Programm für die RBB-Regionen“ (Plakat).