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Weckruf an die Politik mit Alphorn-Corona-Blues

Weckruf an die Politik mit Alphorn-Corona-Blues

Demonstration 9. Mai 2021 Christian von Polentz/transitfoto.de Demonstration 9. Mai 2021

Am 9. Mai demonstrierten Musikschullehrer*innen am Kulturforum für berufliche Perspektiven und Musikschulunterricht auch während der Pandemie. Gefordert wurde auch ein Kulturfördergesetz.

Initiiert wurde die Demonstration von Dr. Theda Weber-Lucks und Andreas Frey von der Leo Kestenberg Musikschule. Zu den Unterstützern zählten neben ver.di der Landesmusikrat Berlin, das Musikschulbündnis Berlin und die Landes-Lehrervertretung der Berliner Musikschulen e.V. (LBM). Gefordert wurde unter anderem, die Musikschulen analog zu den allgemeinbildenden Schulen zu öffnen.

ver.di-Landesfachbereichsleiter Andreas Köhn Christian von Polentz/transitfoto.de ver.di-Landesfachbereichsleiter Andreas Köhn

ver.di-Landesfachbereichsleiter Andreas Köhn unterstrich auf der Kundgebung die Forderung nach einem Berliner Kulturfördergesetz: "Immer mehr Künstler*innen aus allen Bereichen der bildenden, darstellenden, musikalischen wie schriftstellerischen Kunst leben gezwungenermaßen in prekären Verhältnissen." Wenn die materielle Basis fehle, verkomme "das Bekenntnis zur Freiheit des Wortes und der Kunst zu einer reinen Proklamation". Die Pandemie habe deutlich gemacht, wie sehr Kunst und Kultur Teil der sozialstaatlichen Aufgaben sind. Er warnte: "Es ist völlig unklar, wie die kulturpolitische Landschaft in Berlin nach der Pandemie aussieht, welche Künstler*innen, welche Institutionen, Vereinigungen die Pandemie wirtschaftlich überleben." Umso dringender stelle sich die Frage, ob die Regierenden Kunst und Kultur nur als wohltätige, fürsorgende Kunstförderung verstehen oder in Kunst einen treibenden Motor für die gesellschaftliche Entwicklung erkennen. Letzteres verlange nach einer sachlich gesetzlich definierten Kunst- und Künstlerfinanzierung als Rechtsanspruch. 

In ver.di sind die Beschäftigten und Selbstständigen aller Kunst- und Kultursparten vereinigt. ver.di trete als Kulturgewerkschaft für ein Kulturfördergesetz ein. "Ein solches Gesetz muss Kunst und Kultur als elementaren Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge bestimmen und den Art. 20. Abs. 2 der Landesverfassung ,Das Land schützt und fördert das kulturelle Leben' ausführen", forderte Andreas Köhn. "Das Berliner Kulturfördergesetz muss dies als Pflichtaufgabe regeln, dabei sind Kunst und Kultur transparent zu planen und öffentliche Räume dafür in die Stadtentwicklung einzubeziehen."

Pressemitteilung der Veranstalter*in

Aktion WIR.SIND.MUSIK
Musiker*innen fordern Öffnung des Musiklebens in Berlin

Sonntag, am 9.5.2021, fand unter dem Motto „WIR.SIND.MUSIK“ eine musikalische Demonstration auf der Piazzetta am Kulturforum Berlin statt. – Die Initiative dazu ergriffen Dr. Theda Weber-Lucks und Andreas Frey, Leo Kestenberg Musikschule, in Eigenregie, nachdem die geplanten Berlin-Draussenstadt-Veranstaltungen zum zweiten Mal abgesagt worden waren.
Mit einem entschiedenen „Nein! Wir lassen uns nicht sang- und klanglos in die Sommerpause verabschieden!“ luden sie zu einem symbolischen musikalischen Akt vor der Kulisse von Philharmonie und St. Matthäi-Kirche ein. Ideell und tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von Andreas Köhn von ver.di, Ulrike Philippi und Chris Berghäuser vom Musikschulbündnis Berlin, Cornelia Ewald, Neustart Amateurmusik, Cornelia Dette und Justus Carrière, Initiative für die freie Kunstszene Berlins, sowie Landesmusikrat Berlin und Landeslehrervertretern der Berliner Musikschulen. Es kamen über 100 Instrumentalist*innen und Vokalist*innen der Berliner Musikschulen. 17 Alphörner bliesen den eigens hierzu komponierten Alphorn-Corona-Blues, und mit musikalischer Signalkommunikation auf Alphörnern, Gemshörnern, Trommeln und menschlichem Gesang wurde an die Anfänge von Musik und Sprache überhaupt erinnert.
Gefordert wurden von allen Anwesenden an zentraler Stelle „Öffnungen im Musikleben - auch für Orchester, Chöre und Ensembles“. Seit über einem Jahr dürfen Chöre und Orchester nicht mehr in Präsenz proben oder wurden in ihrer Arbeit massiv beschränkt. Erfolgreich erprobte, sichere Konzepte liegen bereits vor, die nur angewendet werden müssten. – Es gäbe keine Zeit zu verlieren. 10.000 Schülerinnen und Schüler, besonders Kinder und Jugendliche, verlieren beim Online-Unterricht ihre Motivation und wenden sich ab. Doch wer soll in Zukunft in der Philharmonie spielen, wenn nicht unsere Kinder? (so Weber-Lucks). 30 % der freischaffenden Künstler haben ihren Beruf aufgegeben, darunter auch viele Musiker_innen und Lehrkräfte der Musikschulen, die von Online-Konzerten und Online-Unterricht mit schlechten Internet-Verbindungen zermürbt sind. (Andreas Frey). Das fortgesetzte Singverbot in durchgeimpften Altersheimen sei geradezu absurd (Cornelia Ewald).
Musik, daran erinnerte die Weber-Lucks eindringlich, ist eine zentrale Ausdrucksform des Mensch-Seins, eine uralte, emotionale Sprache, die unmittelbar und universell verständlich sei und daher Frieden stiften könne. Sie sei an die Unmittelbarkeit des Augenblicks gebunden. Gerade das musikalische Gemeinschaftserlebnis biete Rückhalt, Zusammenhalt, Glück und Trost.  Trauerfeiern oder Staatsakte, selbst Religionsausübung ohne sie nicht vorstellbar. – Deshalb, so Andreas Köhn, brauche es ein Recht auf Kultur im Grundgesetz, und ein Kulturfördergesetz für das Land Berlin. Musik ist für den Menschen unverzichtbar – so die zentrale Kernbotschaft dieser klangvollen, intensiven und hoffentlich weit tragenden Sternstunde der Musik.