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"70 ist auch nur ne Zahl"

"70 ist auch nur ne Zahl"

Wolfgang Protze Rita König Wolfgang Protze

Zum Geburtstag von Wolfgang Protze von Rita König

Wolfgang Protze, Poet, Liedermacher, Musiker und Veranstalter, sitzt entspannt an einem der ersten Sommertage dieses Jahres auf seinem Hof und erzählt von uralten und neueren Scheunenlatten mit all den Holzwürmern, die zur Basis für die „Fercher Obstkistenbühne“ geworden sind.

Angefangen aber hat alles ganz woanders. In seinem Elternhaus, da war Wolfgang Protze in der siebten oder achten Klasse. Seine Mutter, Schulsekretärin, brachte eine lädierte Gitarre mit zwei Saiten nach Hause. Er hat sie repariert und zu klimpern begonnen. Das sei der Beginn gewesen.

Später gab es die Pädagogische Hochschule in Potsdam und die Gruppe Spartakus, es gab das „Schulhoflied“, das sogar einmal von einem Chor zu einer Jugendweiheveranstaltung dargeboten worden ist – ohne dass jemand ahnte, dass der Texter und Komponist im Zuschauerraum sitzt. Nicht nur dieses Lied hat seine eigene Geschichte – man müsste alle mal aufschreiben, sagt Wolfgang Protze. „Der alte Schulhof ist der schönste Platz, den`s für mich gibt, hier war ich zum ersten Mal verliebt…“ Dieser eingängige Text nämlich entstand während einer Mittagspause im Betriebsferienlager – als Wolfgang Protze als 21jähriger im Rahmen eines Praktikums die Gruppenleiterbefähigung erwarb.

Dem wohl berühmtesten Titel folgten ungezählte weitere. Einige haben es über die Landesgrenzen hinaus in die Welt geschafft, andere ihr Publikum daheim gefunden. Leipzig, Bonn, Stuttgart, Karlsruhe, … und Potsdam natürlich. Hinaus nach Belgien und Polen, Schottland und Irland, Italien und zweimal USA. Wolfgang Protze liebt es, sich auszuprobieren. Seine Werke zeugen davon: vom politischen Lied über das Kindertheaterstück „Vogelscheuchenball“, Poetisches und Humorvolles, Natur und Kabarett – alles scheint möglich zu sein. Ob viermal im Monat vor Potsdamer Publikum mit Liedern über Hausmeister, Reinigungskräfte oder „Dallas“-Gucker – er habe „die Stadt aufs Korn genommen“ und Studentenbuden unterm Dach ebenso verewigt wie die „Bitte eines Absolventen einer Pädagogischen Hochschule bezüglich des zukünftigen Einsatzortes“. Jedes Lied ist in seiner Zeit zu sehen, sagt er. Aber sehr viele reichen ins Heute, nicht nur „Da will ich hin“.

Chansonsänger, Holzpantinengeschichtenbewahrer, Sänger. Eine unvollständige Aufzählung. Vieles auszuprobieren ist Lebenselexier: für Wolfgang Protze ebenso wie für seine Frau Ingrid. Die „Fercher Obstkistenbühne“ (vom Künstlerehepaar gemeinsam veranstaltet) kann im kommenden Jahr den 30. Geburtstag feiern. Es gibt Frühjahrs- und Herbstveranstaltungen, sogar musikalische-literarische Veranstaltungen am Kamin, und monatlich unterschiedliche Programme. Es ist viel Arbeit, sagt er, und nicht immer leicht, immer wieder andere Lieder zu präsentieren. Von März bis Dezember.

Was wünscht sich Wolfgang Protze zum Jubiläum?

Er rückt das Käppi zurecht, stützt einen Arm auf die Lehne, nimmt einen kleinen Schluck vom Zitronenwasser.

Die Genugtuung, wenn das Publikum innehält, nachdenkt, schmunzelt und lacht. Und klatscht, natürlich. Wolfgang Protze schaut auf. Eine Aufmerksamkeit im Radio, das wäre schön. Liedermacher kommen dort nämlich nicht mehr vor.

Demnächst wollen die Protzes einen Ausflug nach Feldberg unternehmen, in den Südosten Mecklenburgs. Dort befand sich damals das Betriebsferienlager.

Wolfgang Protze wird am 15. Juni seinen 70. Geburtstag feiern. Das schönste Lied ist immer das zuletzt geschriebene, sagt Wolfgang Protze. Wünschen wir ihm und vor allem uns, dass es noch viele davon geben wird.